Die Dubliner Post heute

Teil 4: Irland gegen England – Aufstand und Unabhängigkeit

1706
Auf Grund der plantation-Gesetze und der Enteignungen im vergangenen Jahrhundert befanden sich nur noch 18% des Bodens in katholischem Besitz. Es begann eine Zeit von wiederholten Kämpfen zwischen Grundbesitzern und Pächtern, die beinahe zwei Jahrhunderte andauern sollte.

1710
Die älteste heute noch existierende Brauerei Irlands, Smithwick’s, wurde in Kilkenny eröffnet.

1711
In der Provinz Connaught führte die Enteignung von Land für Weidezwecke zu den Aktivitäten der „Houghers“, die tausende Schafe und Rinder abschlachteten.

1719
In Folge der Thronbesteigung George I. (1714), der Erleichterungen für „abtrünnige“ Protestanten versprochen hatte, wurden eben diese durch den Toleration Act von den Strafgesetzen ausgenommen.

1720
Im Declaratory Act wurde die Oberhoheit des englischen über das irische Parlament festgeschrieben.

1744
Lord Lieutenant Chesterfield stellte fest, dass die Armen in Irland „schlimmer als Neger“ benutzt werden.

1759
Ein gewisser Arthur Guinness übernahm die halbverfallene St James’s Gate Brauerei in Dublin für 9000 Jahre. Jährliche Gebühr: 45 Pfund.

1778
Wegen der Bedrohung durch fremde Invasoren (die Franzosen und diverse Piraten waren mal kurz da…) gründeten sich in Belfast und Dublin Freiwilligenbewegungen (Volunteers), die auch politische Ziele verfolgten. Es waren dies keine Bewegungen der verarmten und unterdrückten katholischen Landbevölkerung, vielmehr strebten die reichen Protestanten nach mehr Macht und weniger Bevormundung. An einer Verbesserung der Situation der Katholiken war ihnen dagegen nicht gelegen.

1779
In New York wurde die erste Parade zur Feier des St. Patricks Day abgehalten.

1780
Unter dem Druck der Volunteers wurde der freie Handel mit den Kolonien erlaubt.

1782
Das englische Parlament hob den Declaratory Act von 1720 wieder auf und stellte somit die Unabhängigkeit des irischen Parlamentes wieder her. Das Poynings-Gesetz von 1494 wurde zugunsten des irischen Parlaments geändert (Yelverton’s Act) und die irische Justiz wurde ebenfalls unabhängig (Forbe’s Act). Der zweite und der dritte Catholic Relief Act (dt. etwa „Gesetz zur Entlastung der Katholiken“) führten Eigentumsrechte wieder ein und erlaubten katholische Schulen.
Generell lässt sich über die Zeit 1780 bis 1800 sagen, dass wegen der amerikanischen Unabhängigkeitskriege und Englands Kriegen mit Frankreich in Folge der französischen Revolution der Druck auf Irland etwas nachließ und gleichzeitig die Iren in ihrem Unabhängigkeitswillen bestärkt wurden. Gleichwohl waren alle Relief Acts stark umkämpft, und längst nicht alle Vorschläge, die eingebracht wurden, wurden auch verabschiedet.

1791
Theobald Wolfe Tone und andere gründeten, beeinflusst vom Geist der französischen Revolution, die Society of United Irishmen (bestehend überwiegend aus protestantischen Angloiren) und forderten die Schaffung einer Irischen Republik.

1793
Hobart’s Catholic Relief Act hob die meisten der existierenden Beschränkungen für Katholiken auf, auch wenn sie weiterhin keinen Zutritt zu höheren staatlichen Ämtern hatten.

1795
Nach der „Battle of the Diamond“ (religiösen Unruhen, die von den Protestanten niedergeschlagen wurden) erfolgte die Gründung des Oranier-Ordens in Armagh, benannt nach dem Sieger der Schlacht am River Boyne 1690, mit dem Ziel, die Interessen der englischen Siedler zu vertreten.
Die United Irishmen wurden wegen der Unterdrückung zu einer Geheimorganisation, die mit militärischen Mitteln die englische Besatzung beenden wollte. Wolfe Tone konferierte mit französischen Agenten in Dublin und in Amerika.

1796
Wolfe Tone ersuchte in Frankreich um Hilfe für einen Aufstand. Er begleitete eine französische Invasionsarmee unter Admiral Hoche nach Irland, sie konnten wegen Stürmen aber nicht landen.

1797
Im Hinblick auf die Aktivitäten der United Irishmen wurde das Kriegsrecht ausgerufen.

1798
Aufstände der United Irishmen im ganzen Land. Protestanten und einige Katholiken kämpften gemeinsam gegen die Unterdrückung. Sie wurden nach anfänglichen kleineren Siegen von den Engländern mit voller Härte niedergeschlagen. Auch eine französische Invasionsarmee scheiterte, und sieben von ihren zehn Schiffen gingen vor der Küste verloren. Wolfe Tone wurde gefangengenommen und beging Selbstmord im Gefängnis, nachdem er erfahren hatte, dass er nicht wie ein Soldat erschossen, sondern wie ein Verbrecher gehängt werden sollte. Ein neuer Mythos von tapferen, aber tragisch scheiternden Revolutionären ward geboren. Das irische Parlament wurde aufgelöst.

1800/1801
Aus Intrigen und Bestechung erwuchs der Act of Union, der die Auflösung des irischen Parlaments verfügte. Stattdessen entsandte Irland 100 Abgeordnete (später 105) nach Westminster, vorerst jedoch nur Protestanten. Das ganze Gebilde hieß nun „Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Irland“. Damit war Irland endgültig Teil des britischen Imperiums.

1803
Robert Emmett ward hingerichtet, nachdem er mit einer Gruppe von 100 Mann erfolglos versucht hatte, Dublin Castle zu besetzen. Napoleon Bonaparte hatte zwar versprochen, sie zu unterstützen, es aber unterlassen. Zahlreiche Geheimbünde kämpften gegen die britischen Grundbesitzer. Diese „kleinen“ Aufstände wurden meist von jungen, gebildeten, protestantischen und von der Bevölkerung unverstandenen Idealisten angeführt, die alle scheiterten, aber die Grundlage für einen bis heute anhaltenden ausgeprägten Märtyrerkult schufen.

1823
Daniel O’Connell, der „Befreier“, gründete die Catholic Association, erstmals in der Geschichte eine wirkliche Massenbewegung.

1828-1830
Nach fünfjähriger Kampagne erreichte Daniel O’Connell mit gut organisierten Massendemonstrationen seiner inzwischen auf 3 Millionen Mitglieder angewachsenen Bewegung, dass einer begrenzten Zahl von Katholiken das Wahlrecht zugestanden wurde. Dieses wurde in den folgenden Jahrzehnten zögerlich auf immer mehr Einwohner ausgeweitet. O’Connell wurde 1828 gewählt, durfte aber nicht ins Parlament einziehen. Dann wurde 1829 das Gesetz geändert, aber nicht rückwirkend. Er wurde nocheinmal gewählt und konnte 1830 schließlich als erster Katholik ins Unterhaus einziehen.

1838
Father Theobald Matthew rief eine Anti-Alkohol-Kampagne („Temperance Crusade“, dt. etwa „Abstinenz-Kreuzzug“) ins Leben. Fünf Millionen Iren gelobten in der Folgezeit Abstinenz.

1846-51
Die „Great Famine“ (Große Hungersnot), verursacht durch Vernichtung der Kartoffelernten durch Kartoffelfäule und Kartoffelkäfer in mehreren aufeinanderfolgenden Jahren im kartoffelmäßig nahezu monokulturellen Irland. Es folgten Typhus-, Ruhr- und Choleraepidemien, die leichtes Spiel hatten, ebenso wie extrem harte Winter. Protestantische Priester verteilten Nahrungsmittel gegen Übernahme der Konfession, englische Händler verkauften Nahrungsmittel wegen des höheren Profits lieber nach England. Außerdem war Irland einmal mehr Englands Kornkammer, weil dieses in den napoleonischen Kriegen steckte. Eineinhalb Million Iren starben insgesamt, eine weitere Million wanderte aus. 1901 hatte Irland nur 3,5 Millionen Einwohner – vor der Hungersnot hatten 9 Millionen Einwohner Irland zum bevölkerungsreichsten Land Europas gemacht. Nationale Erhebungen, darunter der Aufstand der Young Irelanders unter Thomas Davis, scheiterten in dem geschwächten Land.
Die ausgewanderten Iren bildeten in ihren Gastländern feste Gemeinschaften und pflegen noch heute gälische Traditionen.
Weiterführende Informationen:
Die große Hungersnot

1847
Daniel O’Connell, der „Liberator“ (Befreier) starb in Genua, und seine Bewegung verlief sich im Sande.

1858
Die von James Stephens gegründete Irish Republican Brotherhood (IRB) verschrieb sich der Unabhängigkeit Irlands – wenn nötig mit Waffengewalt.

1859
In New York gründete sich eine der IRB ähnliche Vereinigung, die Bruderschaft der Fenier (Fenians). Der Name geht zurück auf eine mythische Schar von Kriegern, der Fianna. Die Bezeichnung „Fenier“ wurde bis zur Unabhängigkeit ein Synonym für radikale Unabhängigkeitskämpfer.

1866
Etwa 800 Fenier aus den USA zogen nach Kanada, besetzten Fort Erie für kurze Zeit und zogen sich nach kurzen Gefechten in die USA zurück. Ziel war wahrscheinlich eine Art Erpressungsaktion für die Befreiung Irlands.

1867
Ein Fenieraufstand in Irland, bei dem auch aus den USA zurückgekehrte Iren mitkämpfen sollten, scheiterte wegen Verrat. Fenierführer wurden exekutiert, und eine Bombe tötete 14 Menschen in London (die Clerkenwell-Explosion). Der Bombenleger war ein Jahr später der letzte öffentlich Hingerichtete in Britannien.
In New York gründete Jerome J. Collins den Clan na Gael, eine Art irischer Separatistenbewegung.

1869
Der britische Premierminister Gladstone hob die anglikanische Staatskirche in Irland, die Church of Ireland, auf (Irish Church Act).

1870
Isaac Butt gründete die Home-Rule-Bewegung (Forderung nach irischer Selbstverwaltung und einem eigenen, wenn auch untergeordneten Parlament), die nicht unbedingt bei der britischen Regierung, aber besonders bei den nordirischen Loyalisten aus Angst vor Unterdrückung auf Ablehnung stieß.

1877
Charles Stewart Parnell, der „ungekrönte König Irlands“, und ein paar andere Home-Rule-Anhänger blockierten mit taktischen Tricks die Geschäfte im Londoner Unterhaus.

1879
Michael Davitt gründete mit Parnells Unterstützung die Land League, eine große genossenschatlich organisierte Solidargemeinschaft, mit dem Ziel, die Pachtbauern vor Wucherzinsen und Kündigung zu schützen und das Land wieder in die Hände von Iren zu bringen. Das waren die so genannten „drei F’s“: fair rents, fixity of tenure, free sale (dt. etwa: faire Pachten, Beständigkeit des Pachtvertrages, freier Verkauf). Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts konnte die Land League 50 Prozent des Landes im Besitz von Katholiken vorweisen – Mitte des 18. Jahrhunderts waren es ganze 5 Prozent.
In Knock gab es eine Erscheinung der Heiligen Jungfrau.

1880
Charles Stuart Parnell forderte, dass jeder, der eine Farm, deren Eigentümer vertrieben worden war, übernimmt, von seinen Freunden gemieden werden solle. Der erste, dem dieses widerfuhr, war der Gutsverwalter und Lord Erne’s Agent in Mayo Charles Boycott. Er wollte trotz schlechter Ernten die überhöhten Pachtzinsen eintreiben. Daraufhin arbeitete niemand mehr für ihn, und er musste schlussendlich aufgeben. Sein Name ging sowohl als Substantiv wie auch als Verb in den allgemeinen Sprachgebrauch ein, neben ähnlich entstandenen Begriffen wie Sabotage oder lynchen.

1881
Gladstone’s zweiter Land Act (der erste war gescheitert) garantierte die drei F’s. Parnell lehnte ihn wegen ungeklärter Schuldenfragen ab.

1884
Die in Thurles, Tipperary neu gegründete Gaelic Athletic Association setzt sich für traditionelle gälische Sportarten ein.

1885
Parnell unterstützte mit seinen 86 irischen Abgeordneten (mit denen er im Parlament das „Zünglein an der Waage“ war) Premierminister Gladstone. Dafür versprach der öffentlich die Einführung irischer Home Rule.

1886
An der Home Rule entzündeten sich heftige Streitigkeiten im Parlament und in Irland. Gladstone’s First Home Rule Bill wurde vom Unterhaus abgelehnt, woraufhin sich das Parlament auflöste und die Konservativen die hauptsächlich um die Home Rule geführte Wahl gewannen. In Irland (besonders in Ulster) gründeten sich verschiedene unionistische (die Union mit Britannien befürwortende) Vereinigungen gegen die Home Rule.

1887
In England wurde versucht, Parnell mit Hilfe von Briefen, in denen er zwei politische Morde rechtfertigte, zu diffamieren.
Die Gaelic Athletic Association führte zum erstenmal die (später jährlich durchgeführten) All Ireland Finals in den Sportarten Hurling und Gaelic Football durch.

1889
Parnell wurde rehabilitiert, nachdem die Briefe als Fälschungen erkannt wurden. Er erhielt „Standing Ovations“ (andauernder, nicht zwingend stehend verübter Applaus) im Unterhaus.

1890
Die Home Rule scheiterte endgültig. Gladstone erklärte, dass mit Parnell als Vorsitzender der Irish Party die Home Rule nicht zu machen sei. Parnell’s Fraktion zersplitterte.

1891
Parnell starb verbittert. Zu seinem Begräbnis in Dublin kamen 200000 Menschen.

1893
Die von Douglas Hyde (Schriftsteller) und Eoin Mac Neill gegründete Gaelic League machte sich zum Ziel, die irische Sprache neu zu beleben.

1896
James Connolly gründete die Arbeiterbewegung Irish Socialist Republican Party.

1898
Nach englischem Vorbild ward in Irland eine Art kommunale Selbstverwaltung eingeführt.

1899
In Afrika begann der Burenkrieg. England wollte die Gebiete der Buren, Nachfahren holländischer Siedler, im Süden des Kontinents unter seine koloniale Kontrolle bringen. In diesem Krieg erfanden die Briten eine Einrichtung namens Konzentrationslager. Major John MacBride bildete eine Irische Brigade, um den Buren zu helfen.

1900
Die United Irish League wurde gegründet.

1904
In Limerick kam es zu einem antisemitischen Pogrom.

1905
Arthur Griffith führte ein Programm mit dem Namen Sinn Fein (etwa „Wir selbst“) ein. Später nannte sich auch seine Zeitung so.

1907
Aus der Verschmelzung mehrerer nationalistischer Bewegungen erwuchs die Partei Sinn Féin.

1908
Papst Pius erließ das Dekret „Ne Temere“, durch das Mischehen zwischen Katholiken und Protestanten praktisch verboten wurden. Ein weiterer Grund dafür, warum die Protestanten in „Nordirland“ die katholische Mehrheit fürchteten („Home Rule = Rome Rule“).

1912
Das 1911 bei Harland & Wolff in Belfast vom Stapel gelaufene Schiff Titanic, das damals größte Schiff der Welt, sank auf seiner Jungfernfahrt in der Nacht vom 14. zum 15. April 1912 nach einer Kollision mit einem Eisberg im Nordatlantik.
Drei Viertel der Protestanten in Ulster unterzeichneten ein Gelöbnis, jegliche Autonomiebestrebungen mit allen nötigen Mitteln zu verhindern, nachdem Premier Asquith die dritte Home Rule Bill eingeführt hatte und ein unionistischer Antrag, Ulster unter englischer Verwaltung zu belassen, gescheitert war.

1913
Die dritte Home Rule Bill scheiterte im Oberhaus.
Im September eskalierte ein Streik der Dubliner Straßenbahnfahrer zu einer Straßenschlacht mit einem Toten und 500 Verletzten.
Die Ulster Volunteer Force (UVF) wurde aus bestehenden paramilitärischen Organisationen gegründet mit dem Ziel, das Gelöbnis von 1912 zu erfüllen. Als Reaktion auf von der Polizei tolerierte Waffenlieferungen an die UVF gründeten nationalistische Kräfte die Irish Volunteers und begannen ebenfalls, Waffen nach Irland zu schmuggeln.

1914
Beginn des ersten Weltkrieges. Tausende Iren starben auf den Schlachtfeldern für die englische Armee. Die englischen Schwierigkeiten ausnutzend, formierte sich in Irland verstärkter Widerstand, allerdings kam es eben wegen des Krieges noch nicht zum Aufstand. Die Home-Rule-Gesetze wurden ausgesetzt. Über das Für oder Wieder der Unterstützung Englands im Krieg spaltete sich die nationalistische Bewegung in moderate und radikale Kräfte.

1915
Ein deutsches U-Boot brachte den Passagierdampfer Lusitania vor der Küste Corks zum Sinken. Etwa 1200 Menschen kamen ums Leben. In einigen Quellen wird angenommen, dass auf dem Schiff auch Waffen nach England gebracht werden sollten, da ein Torpedotreffer allein nicht den sofortigen Untergang des Schiffes bewirkt hätte.

1916
Der Osteraufstand: am 24. April erhoben sich etwa 1000 Kämpfer der Sinn Fein und der Gewerkschafter James Connollys unter dem Namen Irische Republikanische Armee gegen die Briten, besetzten u.a. mit ca. 150 Mann das Hauptpostamt in Dublin sowie eine Handvoll anderer Gebäude in der ganzen Stadt. Angeführt wurden sie vom Lehrer Padraig Pearse und James Connolly. Schlecht bewaffnet und mit Brotvorrat für eine Woche, rief Pearse die Unabhängigkeit und eine irische Republik aus, in der Hoffnung, dass sich das Volk im ganzen Lande erhebe. Nach fünf Tagen ward der Aufstand brutal niedergeschlagen, das Postamt zerstört, Pearse, Connolly und weitere Anführer erschossen. Doch die öffentliche Meinung in Irland begann sich endgültig gegen Großbritannien zu stellen. Yeats schrieb: A terrible beauty is born.
Der ehemalige englische Konsularmitarbeiter Sir Roger Casement reiste kurz zuvor mit einem U-Boot und einer Waffenladung von Deutschland nach Irland. Er wurde von den Engländern des Verrats angeklagt und gehängt.
Weiterführende Informationen:
Text der Ausrufung der Republik (englisch)
Der Osteraufstand
Die letzte Reise des Sir Roger Casement

1918
Überwältigender Wahlerfolg für die Sinn Féin, die 73 Sitze gewannen, darunter einen für die Gräfin Markievicz, die bereits beim Osteraufstand mitgekämpft hatte und die nun als erste Frau überhaupt einen Sitz im englischen Unterhaus erhielt. Die Sinn Féin weigerte sich bereits vor der Wahl, das englische Parlament anzuerkennen.

1919
Die Sinn Féin rief das irische Abgeordnetenhaus „Dail Eireann“ in Dublin aus. Dieses gab eine Unabhängigkeitserklärung heraus und wählte zunächst Cathal Brugha zum Präsident. Am selben Tag (dem 21. Januar) begann mit der Tötung zweier Polizisten in Soloheadbeg, Tipperary, der Unabhängigkeitskrieg gegen Britannien, eine Art Guerilla-Kampf verschiedener Truppen gegen Polizei und britische Beamte. Michael Collins und andere radikale Kräfte waren der Ansicht, dass die Unabhängigkeit nur mit Waffengewalt zu erlangen sei. Drei Monate später wurde Eamon De Valera, der mit Hilfe von Michael Collins aus dem Gefängnis geflohen war, zum Präsidenten gewählt.
Das alles erfolgte natürlich gegen den Willen der Engländer und ohne internationale Anerkennung.

1920
Britannien schickte brutale gewalttätige Söldnertruppen, die „Black and Tans“, rekrutiert aus Weltkriegsveteranen, um die Royal Irish Constabulary (Polizei) zu unterstützen. Sie alle terrorisierten auch und gerade die Zivilbevölkerung.
Die Irish Republican Army (IRA) wurde offiziell gegründet. Obwohl schlecht bewaffnet, kämpfte sie effektiv gegen die Polizei.
In Ulster wurde die Royal Ulster Constabulary (RUC) gegründet.
In Indien meuterten die irischen Soldaten der dort stationierten Connaught Rangers.

1921
Es kam zu einem Waffenstillstand zwischen den britischen Truppen und Sinn Féin. Sinn Féin schickte eine Delegation unter Arthur Griffith und Michael Collins nach London. Auf der dort abgehaltenen Anglo-Irischen Konferenz war Premier Lloyd George bereit, Irland den Status eines Dominions (selbständiges Mitglied des Commonwealth) zuzugestehen, unter der Bedingung, dass 6 Grafschaften der Provinz Ulster nicht dazugehörten, andernfalls werde man den bewaffneten Kampf wieder aufnehmen. Der Anglo-Irische Vertrag wird unterzeichnet. Irland ist unabhängig. Michael Collins sieht in der teilweisen Unabhängigkeit einen ersten Schritt (genauer: das derzeit maximal Erreichbare) und akzeptiert sie, überwirft sich darüber aber mit De Valera.
Antikatholische Straßenkämpfe sind in Belfast an der Tagesordnung.
Weiterführende Informationen:
Der Unabhängigkeitskrieg

1922
Der Dail ratifiziert den Anglo-Irischen Vertrag nach heftiger Debatte mit 64 zu 57 Stimmen. Eamon De Valera trat als Präsident zurück und verließ mit seinen Anhängern (später die „Irregulars“ genannt) den Dail. Am 16. Januar übergeben die Briten Dublin Castle offiziell an Michael Collins. Bei der ersten freien Wahl im Freistaat gewinnen die Vertragsanhänger eine klare Mehrheit.
Die Irregulars besetzen die Four Courts (Gerichtsgebäude in Dublin). Mit dem Beschuss durch Truppen des Freistaats beginnt der Irische Bürgerkrieg. Die IRA (nunmehr Bezeichnung für die Rebellenarmee im Gegensatz zur Free State Army) geht in den Untergrund. Dail-Mitglieder werden ermordet, IRA-Gefangene exekutiert. Im August 1922 wird Collins bei einem Attentat der IRA im County Cork erschossen.

1923
Die schwindende Unterstützung für die IRA erzwingt einen Waffenstillstand, welcher den geteilten Zustand festschreibt. Nach dem Tod des militärischen Rebellenführers Liam Lynch beendet De Valera am 24. Mai die Kampfaktionen der Vertragsgegner.
Der Freistaat gründet eine eigende Polizei, die Garda Siochána, und tritt dem Völkerbund, dem 1919 gegründeten Vorläufer der UNO, bei.

Chronologie
Zurück zu Teil 3: Besetzung und Unterdrückung
Weiter zu Teil 5: Der Teufelskreis

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte beantworten Sie diese einfache Rechenaufgabe. (Die Eingabe der richtigen Lösung ist erforderlich.) Die Zeitbegrenzung ist abgelaufen. Bitte laden Sie die Seite neu.